Die Polychromie architecturale ist eines der bedeutensten Meisterwerke von Le Corbusier, entstanden aus vielen, wenn nicht sogar den meisten Aneinanderreihungen gesammelter Erfahrungen, Erkenntnissen und Überzeugungen seines kreativen Lebens.

Im Rahmen seiner beeindruckenden Polychromie architecturale erschuf Le Corbusier zwei Farbkollektionen, die erste im Jahre 1931 und die zweite 1959.


Salubra, claviers de couleurs (1931 und 1959) © FLC/ADAGP

 

Seine strategische Farbenlehre fokussiert sich auf wenige erlesene Farbtöne und deren ästhetisch hochstehende Ableitungen.  „Den Pinsel oder Spachtel in der Hand, beschränkte ich mich ausschliesslich auf das, was ich fühlte, ohne mich jemals durch die Vorstellung verwirren zu lassen, dass einst allein Herr Chevreuil mehr als zehntausend Nuancen geschafften hatte! Dies getan hatte ich 43 Töne. Ich hätte gewiss noch mehr haben können, aber ich möchte mich nicht verzetteln.“1

In nahezu diktatorischem Stile liess Le Corbusier nur die beste Qualität gelten. Die zur damaligen Zeit bereits einsetzende und bis heute fortgeschrittene Entwicklung zu einer auf Effizienz ausgerichteten Farbherstellung verurteilte Le Corbusier vehement. Für seine Polychromie standen Ästhetik und Qualität im Vordergrund: „...und wenn dein Maler Einwände hat, wirf ihn vor die Türe.“2

Die Auswahl und Normierung der Farben und Farbtöne durch Le Corbusier reflektiert seine einzigartigen Erfahrungen und basiert auf der Natur und Tradition, der architektonischen Tauglichkeit, der Harmonie untereinander sowie der subjektiven Wirkung auf den Betrachter.

Zu den physiologischen und psychologischen Wirkungen der Farben auf den Betrachter prägte Le Corbusier folgende Leitsätze:

  • Farbe modizifiert den Raum.
  • Farbe klassifiziert Objekte.
  • Farbe wirkt auf uns physiologisch und reagiert stark auf unsere Sensibilitäten.

„Jede farbe ... besitzt grade, bei denen einerseits ihr Reichtum und ihre Opulenz, und andererseits ihre Bedeutung eine offensichtliche Qualität darstellen.“3

 

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1. Le Corbusier, in: Arthur Rüegg (Hrsg.), Le Corbusier Polychromie architecturale. Farbenklaviaturen von 1931 und 1959, Basel, Boston, Berlin, 2006, S. 137
2. Le Corbusier, in: Arthur Rüegg (Hrsg.), Le Corbusier Polychromie architecturale. Farbenklaviaturen von 1931 und 1959, Basel, Boston, Berlin, 2006, S. 74
3. Arthur Rüegg (Hrsg.), Le Corbusier Polychromie architecturale. Farbenklaviaturen von 1931 und 1959, Basel, Boston, Berlin, 2006, S. 96

Bemerkung: zur Vertiefung der „Polychromie architecturale“ Le Corbusiers, vergleiche insbesondere Arthur Rüegg (Hrsg.), Le Corbusier Polychromie architecturale. Farbenklaviaturen von 1931 und 1959, Basel, Boston, Berlin, 2006