Der Einsatz verschiedener Texturen innerhalb eines Farbkonzeptes

Textur ist von zentraler Bedeutung für professionelle Designer. Es ist ein faszinierendes Element in jeder Art von Design. Für die meisten kreativen Menschen ist die Sinneserfahrung der Schlüssel zu jeder Kreation. Haptik besitzt zwei zentrale Elemente: einerseits, die Fähigkeit berührt oder gefühlt zu werden und andererseits, auf eine Stimulierung durch Berührung reagieren zu können. Das Einbeziehen von strukturellen Eigenschaften in ein beliebiges Konzept sorgt für Tiefe und visuelle Bereicherung. Bei der Integrierung von haptischen Elementen wird ein geheimnisvoller Reiz erzeugt: Es fällt schwer, zu widerstehen seine Finger an einer unerwarteten Struktur entlangzustreichen - das ultimative Erlebnis einer unvorhergesehenen Sinneserfahrung.

Die richtige Balance von Texturen zu finden, ist äusserst wichtig: Ein Raum muss sich einladend anfühlen; Gäste müssen sich angeregt und wohl fühlen, und doch es ist wichtig den Einzelnen nicht zu überreizen. Design ist wie Geschichten erzählen: jeder geschaffene Raum muss ausbalanciert sein und doch auch unerwartete Überraschungen mit sich bringen. Die drei fundamentalen Bestandteile in einem Projekt, die es immer zu beachten gilt, sind das Narrativ, das Material und die Kunst. Oberflächen zu kombinieren, wie etwa reflektierende oder grobe, und diese in Kontrast zu setzen mit matten oder glatten Oberflächen, während man zudem noch natürliche oder handgefertigte Elemente einbringt, führt zur Entstehung einer visuellen Textur, ohne jedoch vom Gesamtkonzept abzulenken.

Le Corbusier besass eine beispiellose Vision, wenn es darum ging verschiedene Komponenten in seine Designs einzuarbeiten. Er hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise wie Architekten und Designer heutzutage Farbe interpretieren und diese in unterschiedliche Texturen integrieren. Eines von Le Corbusiers liebsten Materialien war das anpassungsfähige Medium Beton: Von Beginn an seiner Karriere erkannte Le Corbusier das Potential von Beton in seinen Kreationen. Le Corbusier, gemeinsam mit Auguste Perret, leistete Pionierarbeit mit «Béton Brut» - der Vorgang bei welchem Beton roh weiterverwendet und so die aus der Schalung entstandene Strukturen offenbart werden.

Dies war unzweifelhaft einer der entscheidenden Punkte, mit dem Le Corbusier nachhaltig die Bewegung des Brutalismus beeinflusste. Béton Brut unterscheidet sich von gewöhnlichem Beton, denn um alle Unregelmässigkeiten zu entfernen, durchläuft letzteres ein besonderes Verfahren zur Glättung der Oberfläche. Le Corbusiers Bauwerk, das meisterhafte Maison de la Culture, 1965 fertiggestellt in Firminy Vert, Frankreich, verkörpert den grössten urbanen Komplex Le Corbusiers in Europa, und dient dabei als perfektes Beispiel für seine Hingabe zu seinem charaktergebenden Material Beton, vereint mit der dreistöckigen, farbigen Fassade.

Le Corbusiers Verwendung von Beton, Glas und Farbe an dieser Stelle zeigt sein Bestreben, Räume für alle Menschen zu schaffen und ihr Leben durch Architektur und Design literarisch und metaphorisch aufzuhellen.

Der poetische Auftrag des Klosters Sainte-Marie de la Tourette für Le Corbusier bestand darin, ein Gebäude für «einhundert Körper und einhundert Herzen» zu entwerfen; die 100 Körper sind dabei die einer Gemeinschaft von stillen Mönchen. Le Corbusier nutzte seinen Béton Brut, aber integrierte auch sehr groben, weiss gestrichenen Beton und Primärfarben, ausladende, deckenhohe Fenster und schlichte Möbel aus Holz. Seine kuratierte Zusammensetzung von Texturen und Farben bot den Mönchen ein Umfeld zum arbeiten und strahlt gleichzeitig, aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Medien, die fast schon überraschend perfekt miteinander harmonieren, Positivität und Frieden aus.

Mit der Ergänzung einer Textur in ein Schema wirkt dies interessanter und lässt das Gesamtgefühl eines Raumes verändern. Raue und grobe Oberflächen reflektieren weniger Licht und machen einen Raum gemütlicher – denkt man zum Beispiel an Samtstoffe, Bouclé, Schafsfelle, gealterte Lederbezüge und Vintage-Stoffe wie Kord – ein jedes davon verleiht Objekten mehr Gewicht. Auf der anderen Seite des Spektrums jedoch lassen glatte oder glänzende/reflektierende Oberflächen Objekte leichter erscheinen, zeitgenössischer, und der gesamte Raum wirkt sehr viel kühler. Spiegelnde Oberflächen, Marmor und andere natürlich glatte Steine und Glas geben Textur und während sie Schatten und Tiefen erzeugen, und sogar Fläche anheben, welche sonst fad und eindimensional wirken würde.

Zieht jemand eine dunklere Farbauswahl für einen Raum in Betracht, dann sollten mehr reflektierende Texturen und Metalle verwendet werden, um die Flächen optisch anzuheben und das visuelle Interesse zu steigern. Spricht man über Texturen und Farben, muss auch sorgfältig sowohl über natürliches als auch künstliches Licht nachgedacht werden. Ist zum Beispiel ein Raum in dunklen Tönen gestrichen und es sind zusätzlich raue Materialien vorhanden, dann wird das gesamte Licht von den Wänden und Oberflächen absorbiert; und die Einbeziehung von glänzenderen Materialien, mehr lichtreflektierenden Texturen, wie Spiegel, Seidenkissen oder metallischen Leuchtkörpern, hilft, das Licht wieder zurück in den Raum zu reflektieren und diesen abzuheben, während gleichzeitig visuelle Texturen entstehen, die Wirkung und Interesse kreieren. Geschichtetes Licht in einem dunklen Raum, zum Beispiel durch Beleuchtung verschiedener Höhen des Raumes – Deckenleuchten, Wandlichter und Bodenbeleuchtung – erzeugen Interesse und Faszination und beeinflussen die gesamte visuelle Oberfläche.

Le Corbusier erkundete stets kontrastreiche Kombinationen ohne die Balance zwischen verschiedenen Materialien und Farben ausser Acht zu lassen. Beim Integrieren von sinnlichem Schwarz und einer gedämpften Farbpalette etwa stellte er sicher, neutrale Farben einfliessen zu lassen, um so einen weichen Eindruck zu schaffen, der den gesamten Raum umhüllt.

Geht es um hellere Farbpaletten, so ist der Gebrauch von Texturen womöglich noch essenzieller: Sind die Wände, Decken und Böden eines Raumes weiss und es herrscht reichlich natürliches Licht, dann können leicht alle weiteren Elemente in den Hintergrund rücken. Eine Reihe verschiedener haptischer und visueller Texturen kann Abhilfe schaffen und dabei Interesse und Struktur kreieren und sich mehrschichtiger anfühlen, im Gegensatz zu einem fad und uninteressant wirkenden Raum. Man stelle sich einen rein weissen Innenraum vor, mit einem Mix von weissen Texturen, wie grobes Leinen, Schafsfelle, Teppiche aus Seiden- und Wollmaterialien; manche werden weiterhin das Licht reflektieren, während andere, rauere Materialien einen Teil des Lichts absorbieren und zu einem vielfach wohligeren Gefühl beitragen. Unsere Augen werden in solch einem Raum wandern und so die verschiedenen Designelemente wahrnehmen, ähnlich wie bei einer Schatzsuche.

Zögern Sie nicht, mit vielfältigen Materialien und Farben zu experimentieren und bedenken Sie: Um mehrere Dimensionen und Lagen in einem Raum zu erreichen, dabei beispielsweise einen Raum von gewöhnlich in unerwartet und wirkungsvoll zu verwandeln, bedeutet, manchmal ausserhalb seiner Komfortzone zu handeln. Die sorgfältige Auswahl der einzelnen Komponenten führt zu einem erfolgreichen Design, welches auch Jahre später noch geschätzt wird.

Lesen Sie weitere spannende Artikel :



Kommentare

Keine Kommentare


Das könnte Sie auch interessieren