Header Pavillon Le Corbusier Text ©Georg Aerni

Der Pavillon Le Corbusier – Genesis eines Meisterwerks

Sich neu erfinden, dass können Architekten mit dem Bautyp des Pavillons perfekt. Freistehende, auf kleiner Fläche und mit unterschiedlichsten Werkstoffen errichtete Bauten, welche durch eine mannigfaltige Auswahl an Formen und Nutzungsmöglichkeiten erhaben sind. Der Pavillon Le Corbusier in Zürich ist eben solch ein einzigartiges Juwel der Pavillonbauten. 

Als letzter Entwurf Le Corbusiers, welcher 1967 zwei Jahre nach seinem überraschenden Tod fertig gestellt wurde, gilt dem Pavillon Le Corbusier in Zürich eine spezielle Aufmerksamkeit. Zudem ist er das einzige realisierte Gebäude in der Deutschschweiz von Le Corbusier. Der Bau zeichnet sich durch ein schwebendes Dach und Rubik´s Cube-ähnliche farbige Paneele aus, die eine Abwechslung zu Le Corbusiers ursprünglicher puristischen Polychromie Architecturale von 1931 darstellen. Der Pavillon Le Corbusier für Heidi Weber in Zürich ist ein Meilenstein in Le Corbusiers Spätwerk. Er hat über Jahre an dem Projekt eines idealen Ausstellungspavillons gearbeitet. Es ist ein Gebäude aus Stahl, Emaille und Glas mit großem Metalldach und erstrahlt nach zweijähriger Rennovation nun 2019 in neuem Glanz.

Ein Meisterwerk entsteht

Von der Skizze des „La Maison d‘Homme“ (Arbeitstitel) war es ein weiter Weg. Im Jahre 1960 erhielt die Kunstmäzenin Heidi Weber für das Grundstück auf der Blatterwiese das Baurecht von der Stadt Zürich. Im gleichen Jahr beauftragte die Initiantin Le Corbusier mit dem Bau. Ihre Vision war es, alle Facetten von Le Corbusier zu vereinen - den Künstler und Architekten. Es war Ihr Ziel, die Werke Le Corbusier’s – sein «Œuvre» aus Architektur, Malerei, Skulptur, Möbel, Emaillearbeiten, Wandteppichen, Lithografie und Literatur - mit einer seiner architektonischen Glanzleistungen in eine perfekte Symbiose zu bringen. Dabei ließ sie ihm freie Hand einen Ausstellungspavillon zu realisieren, der ganz seiner Idee der «Synthèse des arts» und seinem vielfältigen Werk entsprechen sollte. Die ersten Skizzen zeigten die architektonischen Formen, die er bereits vor dem Krieg für die Ausstellung von Lüttich entworfen hatte. Im November 1960 fand dann die Bauplatzbesichtigung statt. Die erste Vision Le Corbusiers war es, ein Gebäude aus Beton zu errichten. Der endgültige Entwurf vom April 1962 zeigte dann aber eine Konstruktion aus Stahl, Glas und Emaille. Für Heidi Weber war die Wahl von Metall zeitgemäß. Für sie verkörperte es das Neue, die Moderne – Beton hingegen gehörte zur Vergangenheit. Was damals niemand ahnte, Le Corbusiers einziger Bau mit der Kombination von Metall und Glas wird in die Architekturgeschichte eingehen. Ein besonderes Gebäude mit zwei Stockwerken - fünf einstöckige und ein zweistöckiges Zimmer. 1964 begann der Bau des Pavillons.

  • Skizze Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP
  • Skizze Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP
  • Skizze Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP
  • Le Corbusier und Modell des Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP
  • Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP

«Pa¬vil¬lon, der

1. frei stehender, offener, meist runder Bau in Parks o. Ä.

2. (Architektur) baulich besonders hervorgehobener Eck- oder Mitteltrakt eines größeren Gebäudes

3. (Architektur) zu einem größeren Komplex gehörender selbstständiger Bau

4. [aus einem Raum bestehender] Einzelbau auf einem Ausstellungsgelände

5. großes viereckiges Festzelt

HERKUNFT französisch pavillon, zu lateinisch papilio = Schmetterling, auch: Zelt (nach dem Vergleich mit den aufgespannten Flügeln)»

 

- Duden -


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Es begann alles mit dem Dach – frei, schwebend und getrennt vom eigentlichen Gebäude. Le Corbusier legte immer besonderen Wert auf die Dachkonstruktion. Zwei Metallschirme (einer konvex, einer konkav), jeder mit einer Fläche von 12 x 12 Metern, wurden vor Ort zusammengeschweißt. Mit einem Kran wurde das Dach neun Meter angehoben und an den Stahlsäulen befestigt. Die Gesamtfläche von 12 x 26,3 m wurde unter Verwendung von 5 mm starken geschweißten Metallblechen errichtet. Der klare Abstand zwischen Dach und Modulbau hatte Le Corbusier erlaubt, das flache Terrassendach und das Schrägdach, beides Leitmotive des Modernismus, im Pavillon Le Corbusier in Zürich unterzubringen. Der zweite Teil des Pavillons besteht aus dem «corps de logis», der aus kubusförmigen Modulen nach dem System «226 x 226 x 226» (226 ist ein Maß des Modulor von Le Corbusier) konstruiert ist. Das Modulsystem, bestehend aus vorgefertigten Würfeln, entwickelte und patentierte Le Corbusier bereits 1953. Im Pavillon Le Corbusier am Zürichsee wurde dieses System verfeinert und angepasst. Als Prototyp eines Vorfabrikationssystems wurden im Pavillon Materialien und Techniken verwendet, die in der Bauzeit in der allgemeinen Baustellenpraxis nicht üblich waren. Das 226 x 226 x 226 System aus gefalteten Stahlprofilen wurde speziell für dieses Projekt entwickelt und als einziges Beispiel dieses Systems gebaut. Die typischen Kanten der Module aus Stahl bestehen aus Winkeln, die mit über 20.000 Schrauben verbunden wurden. Die gesamte Bodenfläche misst 12 x 26,3 Meter, besteht aus geschweißten Blechen und hat ein Gewicht von 40 Tonnen. Die einzelnen Bodenplatten wurden von oben in die Stahlquader gelegt und verschraubt. Am 27. August 1965, mitten in den Bautätigkeiten verstarb Le Corbusier. Nach mehreren Wochen der Trauer, Sorge und des Zweifels wurden die Bauarbeiten zu Ehren Le Corbusiers wieder aufgenommen. Zwei Jahre nach dem Tod Le Corbusiers, im Juli 1967, wurde das Gesamtkunstwerk eingeweiht.

  • Dach des Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP
  • Dach des Pavillon Le Corbusier ©Deuring
  • Dach des Pavillon Le Corbusier ©Deuring
  • Pavillon Le Corbusier ©LesCouleursSuisseAG

Die Restaurierung eines Architekturdenkmal

2017, 50 Jahre nach Eröffnung, wurde der Pavillon Le Corbusier einer Zustandsanalyse unterzogen. Es stellte sich heraus, dass der Pavillon dringend, unter Beibehalt von möglichst viel Originalsubstanz, restauriert werden musste. Die Stadt Zürich beauftragte Arthur Rüegg, Architekt ETH SIA BSA, ETH Prof. em und Silvio Schmed, Architekt BSA SWB mit der Restaurierung. Tatsächlich war Arthur Rüegg selbst als Student bei der Eröffnung des Pavillons 1967 anwesend. Durch eine präzise Bestandsanalyse der beiden erfahrenen Architekten, wurde eine Machbarkeitsstudie mit drei Herausforderungen aufgestellt, für welche gezielte Maßnahmen vorgenommen werden konnten:

1. Undichte Gebäudehülle:

Das Untergeschoss aus Beton als auch die Stahlhülle und Neoprenprofile waren nicht mehr dicht und wiesen mitunter große Rostlöcher auf.

2. Zerstörte Infrastruktur:

Das feuchte Klima im Untergeschoss zerstörte die Metallbodenheizung und so war es bereits seit 1982 nicht mehr möglich das Gebäude zu beheizen. Darunter litt ebenfalls die Einbauküche, welche sich bei der Zustandsanalyse als komplett verrostet erwies. Im unteren Ausstellungsraum war es nicht mehr möglich Originale Exponate auszustellen. Denn durch die Raumfeuchtigkeit wellten sich bereits nach zwei Tagen der Hängung originale René Buri Fotografien.

3. Unerfüllte Bauvorschriften:

Der Pavillon besaß im Originalzustand nur eine Fluchttüre, alle Fluchtwege waren außerdem zu eng. Das Geländer auf der Dachterrasse stellte sich als zu niedrig heraus und die dort verwendeten Farben lagen 250 Mal über dem zugelassenen Grenzwert der Giftanteile, darunter enthalten auch der organische Giftstoff PCP (Pentachlorphenol). 

 

In Ausführung durch die Firma Dr. Ing. Deuring + Oehninger AG, begann die Sanierung im Souterrain mit dem Einsatz von Schaumglas. Dieses schützt das Gebäude aus der Nachkriegsmoderne gegen die Bodenfeuchtigkeit, welche vom naheliegenden Zürichsee aufsteigt. Um eine konstante Beheizung zu gewährleisten, musste die Bodenheizung im unteren Geschoss ersetzt werden. Silvio Schmed beschreibt den Austausch als «höchst aufwendig und kompliziert». Es wurde damit begonnen die originalen Schieferplatten einzeln zu nummerieren und zu verpacken. Die Randplatten wurden jedoch belassen, um eine Fugenreferenz zu erhalten. Aufgrund von Unebenheiten im Betonboden musste dieser zunächst abgeschliffen werden, bevor ein neues Heizsystem aus Kunststoff verlegt werden konnte. Nach der Kalibrierung der Bodenplatten und mithilfe eines Nummerierung-Plans konnten bis auf 3, alle originalen Schieferplatten wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz gesetzt werden. Um das Dach von der giftigen Farbe zu entschichten wurde eine Unterdruckkammer aufgebaut, in welcher die Arbeiter in Sauerstoffschutzanzügen die Farbe abtrugen. Die Farbrestaurierung erfolgte gemäß dem originalen Befund und wurde vom Les Couleurs® Le Corbusier Lizenzpartner KABE Farben ausgeführt. Folgende Farben wurden original verwendet und platziert: Rot, Grün, Schwarz, Blau, Gelb, Weiß. Durch die präzise Auseinandersetzung mit dem Spätwerk von Le Corbusier ist das Juwel 2019, zwei Jahre nach dem Restaurationsbeginn, wieder begehbares architektonisches Vermächtnis Le Corbusiers. Dieses einzigartige Gebäude reflektiert die harmonische Einheit von Le Corbusiers Architektur, seinen Skulpturen, Gemälden, Möbeln und Schriften – ein Gesamtkunstwerk am Zürcher Seeufer. Der Pavillon selbst wird weiterhin als Ausstellungsobjekt im Vordergrund stehen – so sieht es das Konzept des neuen Trägers, dem Museum für Gestaltung Zürich, vor. Jede Saison sollen Wechselausstellungen, die im Bezug zu Le Corbusier stehen, stattfinden. Neben Lesungen, Filmvorführungen und Konzerten wird eine Dauerausstellung von René Burri zu sehen sein.

 

  • Pavillon Le Corbusier in Zürich ©LesCouleursSuisseAG
  • Pavillon Le Corbusier in Zürich ©FLC/ADAGP
  • Pavillon Le Corbusier in Zürich ©Deuring
  • Pavillon Le Corbusier Zürich ©FLC/ADAGP

«Ausstellungen, Museen, Pavillons, Künstlerateliers, Wohnungen und Villen von Sammlern: Die Ausstellung zieht sich wie ein roter Faden durch Le Corbusiers Werk. Die Beziehung des Menschen zur Kunst ist von grundlegender Bedeutung Element der architektonischen Dispositive. Kunst beeinflusst seine Vision von der Gesellschaft als Ganzes und von Museen sind von zentraler Bedeutung für seine großen Städtepläne, von der Ziggurat des Musée Mondial in Genf bis hin zu den Museen in Ahmadabad, Tokio oder Chandigarh, zu Projekten, die er Ende der 1960er Jahre realisierte, wie zum Beispiel das Museum des 20. Jahrhunderts in Nanterre. Die Entwicklung des Museumsentwurfs zwischen 1929 und 1965 und von den Konzepten, die Le Corbusier für die verschiedenen Ausstellungen seines eigenen Werkes entwickelte entspricht seiner Art, die Beziehung zu Kunstwerken zu verstehen, sei es durch die Künstler, ein sachkundiges Publikum oder Menschen, die zum ersten Mal mit Kunst in Berührung kommen. Die Skizzen für die Verschiedene Museen und Pavillons verfolgen diese Entwicklung. Karel Teiges Kritik am Mundaneum. Das Projekt nimmt eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Museumskonzeptes ein, das zwischen das Musée Mondial von 1929 und die ersten Entwürfe von Le Corbusier für ein Museum mit unbegrenztem Wachstum Die Architektur und der Platz für Kunst in der Gesellschaft werden nicht mehr durch den Gebrauch von bestimmt eine Form, aber durch einen funktionalen Mechanismus. Wachstum wird als Bild des Positiven verstanden Evolution der Menschheit. Diese grundlegende Änderung ist ein Schlüssel für die späteren Projekte.» 

 

- Institut für Denkmalpflege und Bauforschung, ETH Zürich / Prof. Dr.-Ing. Uta Hassler Centre Le Corbusier – Museum Heidi Weber Beiträge zum Instandsetzungskonzept Schlussbericht  -


Wiedereröffnung nach Rennovation: 11. Mai 2019

Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, 8008 Zürich

Der Ausstellungspavillon ist nur in den Sommermonaten geöffnet.

Saison 2019: 11. Mai–17. November

Dienstag–Sonntag 12–18 Uhr

Donnerstag 12–20 Uhr

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Fotografie

©Georg Aerni

©Dr. Deuring + Oehninger AG

©Les Couleurs Suisse AG

Kolorierte Originalpläne ©FLC/ADAGP

Informationen zur Rennovation wurden u.a. am Vortrag vom 13.Dezember 2018 organisiert durch die Schweizer Baumuster-Centrale Zürich „Konzept LC ZH – Pavillon le Corbusier“ zusammengetragen. Referierende waren:

  • Arthur Rüegg, Architekt ETH SIA BSA, ETH Prof. em
  • Silvio Schmed, Architekt BSA SWB
  • Lukas Knörr, Dipl. Ingenieur FH, M Sc TU in Denkmalpflege, Kantonale Denkmalpflege Zürich

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