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Die Le Corbusier Häuser der Weissenhof-Siedlung

Stuttgart – Schlossplatz, die Werke von Otto Dix, das Porsche oder Mercedes-Benz Museum, der Fernsehturm und die Häuser 13 – 15 der Weissenhof-Siedlung von Le Corbusier und Pierre Jeanneret. Das Einfamilienhaus Nr 13 beruht auf der Konzeption des Typ «Citrohan Häuser» aus den Studien zwischen 1920 – 1922 von Le Corbusier. Die Realisierung ruhte auf den Schultern von Alfred Roth, der während der wenigen Monate umfassender Bauzeit vor Ort präsent war. Das Doppelhaus von Le Corbusier verdeutlicht die Umbrüche der Moderne und zeigt ein Gesamtkunstwerk der Farbgestaltung. Seit Juli 2016 gehören das Doppelhaus und das Einfamilienhaus von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung zum Welterbe der UNESCO.


Was nur Kenner oftmals wissen: die Weissenhofsiedlung entsteht 1927 im Rahmen der Bauausstellung „Die Wohnung“, organisiert vom Deutschen Werkbund und finanziert von der Stadt Stuttgart. 17 international bekannte Architekten, darunter Grössen wie Walter Gropius, Peter Behrens, Hans Scharoun und Le Corbusier arbeiten unter der künstlerischen Leitung Ludwig Mies van der Rohe. Innovative Gebäude für ein gesundes, funktionales und gesundes Wohnen in der Zukunft sind das erklärte Ziel.

Von der Weissenhofsiedlung in Stuttgart ausgehend, entstehen zwischen 1927 und 1932 insgesamt sechs Werkbundsiedlungen, in Stuttgart, Brünn, Breslau, Zürich, Wien und Prag. All die Siedlungen beeinflussten die Architekturströmungen des 20. Jahrhunderts erheblich. Die Bauten stellen ein hochbedeutendes kulturelles Erbe dar. Die Geschichte der Städte spiegelt die sozialen Verschiebungen im Europa des 20. Jahrhunderts wider sowie demokratische Aufbrüche nach dem Ersten Weltkrieg.

 

«In Stuttgart wurden zwei völlig unterschiedliche Haustypen vorgestellt. Einer entsprach einem neuen Ausdruck des Lebens, befreit von künstlichen Einschränkungen.»

- Le Corbusier -

  • © Ludwig Mies van der Rohe / MoMa New York Werner Gvaeff, VG-Bildkunst Bonn/ADAGP
  • Photo : Dr Lossen et Co 1927 © FLC/ADAGP

Was lange währt, wird endlich gut – Mieter für die Le Corbusier Gebäude in Stuttgart

Im Gegensatz zu anderen Gebäuden der Siedlung in Stuttgart findet sich erst im November 1928 ein erster Mieter. Anton Kolig (Professor an der benachbarten Kunstakademie) zieht mit seiner Familie für drei Jahre in das Doppelhaus. 1931 dann die ersten Umbauten, aus der offenen Dachterrasse wird ein geschlossener Wohnbereich, Einbauschränke werden abgerissen und Trennwände eingezogen… Das Haus verliert nach und nach seinen Charakter. 1964 dann, verliert auch die recht Haushälfte ihren ursprünglichen Grundriss. Der Farbauswahl von Le Corbusier wird keine Bedeutung beigemessen, sondern regelrecht ignoriert und schlussendlich übermahlt.

Der Farbgebung nach Le Corbusier auf der Spur

Die Instandsetzung im Jahr 2005 basierte auf den Farbangaben von Le Corbusier, den Befundungen aus 1982 und berücksichtigte abweichende Farbzuordnungen von Alfred Roth. Ausgeführt wurde der Neuanstrich mit Silikatfarben von Keimfarben. In den Innenräumen wurden mikroskopische Analysen durchgeführt um die Klärung der bauzeitlichen Farbgebung nachkommen zu können. Die Farbe wurde als wesentlicher Bestandteil der Architektur eingesetzt. Das Einfamilienhaus beispielsweise hat eine kubische Form, die durch die sichtbaren Pilotis, den zurückgesetzten Keller und die farbigen Wände scheinbar über dem Boden schwebt. Die Sichtbarkeit des Gebäudes wird durch die farbig gestrichenen Fassaden zudem noch unterstrichen.

Brauntöne ähnlich 32120 terre sienne brulée 31 oder 4320D terre sienne brulée 59 sowie antrazit Farben wurden in KEIM Optil gestrichen. In den Innenräumen wurden Siena Farben ähnlich 32121 terre sienne brique, ocker Töne fast wie 4320L ocre jaune clair und blaue Töne die mit 4320T bleu outremer foncé oder auch 32020 bleu outremer 31 vergleichbar sind, wurden im Produkt Keim Reversil aufgetragen.* Die ersten Versuche der Polychromie, die Le Corbusier in seinem Oeuvre complète erwähnt, betreffen die Innenräume der Häuser La Roche und Jeanneret im Jahr 1923. Da Le Corbusier die erste Kollektion der Polychromie Architecturale erst 1931 für Salubra veröffentlichte, können hier dennoch Vergleiche gezogen werden. Le Corbusier’s Grundgedanken, dass Farben durch ihre Wirkung Räume verändern, Objekte wandelbar machen und emotionale sowie körperliche Reaktionen auslösen ist aber heute noch gültig. Dazu kommt, dass es nicht viele verschiedene Farbtöne braucht um gewünschte, positive Wirkungen hervorzurufen. Denken wir an die Polychromie Architecturale – 63 harmonische premium Farben reichen absolut aus.
Nach all den Veränderungen, die das Haus erfahren hat, sind die Möbel und die Farben heute wie am ersten Tag, dank der Originaldokumentation und der grossartigen Arbeit der Restauratoren.

 

« Farbe ist… ein Auslöser starker Wirkungen.
Farbe ist ein Faktor unserer Existenz. »

- Le Corbusier -

«In Stuttgart wurden zwei völlig unterschiedliche Haustypen vorgestellt. Einer entsprach einem neuen Ausdruck des Lebens, befreit von künstlichen Einschränkungen. Sie war das Ergebnis einer zehnjährigen Untersuchung des Haustyps "Citrohan". Dachkonstruktion und Fensterung waren tandardisiert, ein grosser Wohnraum kontrastierte mit den kleineren Räumen, deren Dimensionen bei Zustimmung der Stadtverwaltung noch hätten reduziert werden können.» Auszug aus Le Corbusier, Oeuvre complète, Band 1, 1910-1929

*Da Le Corbusier die erste Kollektion der Polychromie Architecturale erst 1931 für Salubra entwarf, können hier nur Vergleiche gezogen werden.

 

Adresse

Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier
Rathenaustrasse 1
D-70191 Stuttgart
www.weissenhofmuseum.de

Die Siedlung ist ohne zeitliche Einschränkung und frei zugänglich. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner.

Offene Führungen finden täglich ausser montags um 15 Uhr statt. Sonn- und feiertags zusätzlich um 11 Uhr. Bitte beachten Sie, dass bei den Offenen Führungen die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt ist. Eine Reservierung ist nicht möglich.

  • Photo: Keimfarben © FLC/ADAGP
  • ©Fondation Le Corbusier
  • Salubra  ©FLC/ADAGP

Die Werksbundsiedlungen in Europa neben der Weissenhof-Siedlung in Stuttgart

Die Europäische Kommission hat am 31. März 2020 den Werkbundsiedlungen in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik und Österreich das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen.

Österreich, Wien             Die Wiener Werkbundsiedlung
Adresse: 1130 Wien – Woinovichgasse und Umgebung
Die Wiener Werkbundsiedlung wurde unter der Gesamtleitung von Josef Frank, der bereits 1927 bei der Weissenhofsiedlung in Stuttgart beteiligt war, errichtet. Die Häuser der Wiener Werkbundsiedlung sind alle bewohnt und erfüllen dadurch immernoch ihren ursprünglichen Sinn und Zweck.

Tschechien, Prag             Baba-Siedlung
Adresse: 160 00 Praha 6 – Dejvice und Umgebung
Hier entstanden in 4 Jahren ab 1932 33 Gebäude. Die Baba-Siedlung ist ein wertvolles Beispiel der Zwischenkriegsarchitektur, insbesondere im Hinblick auf den Sinn für Verhältnismässigkeit und landschaftliche Gestaltung.

Schweiz, Zürich                Werkbundsiedlung Neubühl
Adresse: 8038 Zürich – Nidelbadstrasse und Umgebung
Die Werkbundsiedlung Neubühl ist eine der Mustersiedlungen des «Neuen Bauens». Sie wurde 1930–32 errichtet. Alle Häuser in der Siedlung Neubühl entwarfen die Architekten Paul Artaria, Max Ernst Haefeli, Carl Hubacher, Werner Moser, Emil Roth, Hans Schmidt und Rudolf Steiger in einem gemeinsamen Baubüro nach gleichen Details.

Polen, Breslau                 Siedlung WuWA
Adresse: 50-141 Wroclaw – Wróblewskiego und Umgebung
Nach der weltweiten Resonanz der Stuttgarter Ausstellung entstand in Breslau ebenfalls eine grosse Bauausstellung – der Titel 1929 „Wohnung und Werkraum-Ausstellung“ (WuWA). Das Ziel war, neue Formen des zeitgemässen Wohnens und Arbeitens zu präsentieren. Breslau wurde im 2. Weltkrieg zu mehr als 80% zerstört, die Siedlung blieb dabei aber glücklicherweise beinahe unversehrt.

Tschechien, Brünn           Siedlung Nový dům
Adresse: 616 00 Brno – Drnovicá u. a.
Diese Wohnsiedlung entstand 1928 als Teil der Ausstellung der zeitgenössischen Kultur in der Tschechoslowakei. Thema war ein moderner und finanziell erschwinglicher Wohnraum vorzugsweise für junge Familien.

  • Die Wiener Werkbundsiedlung Haus Lurcat ©Christoph Eckelt
  • Baba-Siedlung Werkbundsiedlung Prag Haus Gocar ©Christoph Eckelt
  • Werksbundsiedlungen in Europa © werkbund | estates

 

Quellen:

https://lecorbusier-worldheritage.org/en/maisons-de-la-weisenhof-siedlung/
https://weissenhofmuseum.de/
https://werkbund-estates.eu/
http://www.fondationlecorbusier.fr/
Keimfarben GmbH - Ausgabe der Serie „erhalten & gestalten»

 

Fotos:

Le Corbusier Skizze Weissenhof-Häuser ©FLC/ADAGP
Übersicht der Bauausstellung von 1927 © Ludwig Mies van der Rohe / MoMa New York, Werner Gvaeff, VG-Bildkunst Bonn/ADAGP
Weissenhof Gebäude in schwar/weiss Photo: Dr Lossen et Co 1927 ©FLC/ADAGP
Eingang zum Le Corbusier Haus Photo: Keimfarben © FLC/ADAGP
Salubra Bücher ©FLC/ADAGP  ©Fondation Le Corbusier
Werkbundsiedlung Wien und Prag ©Christoph Eckelt
Werksbundsiedlung Wien (Reihenhäuser) ©Adsy Bernart
Übersicht Werksbundsiedlungen in Europa © werkbund | estates

 

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Kommentare

28.10.2020 | Reinhard Geiger

Schade, daß das Deutsch eine solche ZUMUTUNG ist! In 20 Zeilen bestimmt 20 Fehler. das macht keinen Spaß. Schade um die Inhalte, die man gerne lesen möchte.

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