©Florence Cosnefroy

«Die Welt von Le Corbusier inspiriert mich»

Ein Gastbeitrag von Florence Cosnefroy

Florence Cosnefroy stellt seit 2014 eine Verbindung zwischen den Le Corbusier Farben und dem, was die Bewohner in den verschiedenen Wohnbauten des Architekten erleben her. Florence ist eine Mixed-Media-Künstlerin und Bildhauerin. Durch Interaktivität stellt ihre Arbeit Fragen darüber, was es für den Betrachter und die BewohnerInnen der Le Corbusier Bauten bedeutet, eine bestimmte Position in der Gesellschaft einzunehmen. Im folgenden Gastbeitrag erläutert Florence Cosnefroy Ihre Arbeiten in der Villa Le Lac, Unité d'Habitation Rezé oder der Cité Radieuse in Marseille.


«Mein künstlerisches Universum basiert im Wesentlichen auf dem Farbfächer, den ich als eine Art Matrix verwende. So lernte ich einen der schönsten Fächer kennen, den Farbfächer von Le Corbusier konzipiert.»

- Florence Cosnefroy - 

 

«Anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals 2014 veranstaltete die Unité d'Habitation in Firminy eine meiner Aufführungen im Zusammenhang mit Le Corbusiers Polychromie Architecturale. Ich lud die Bewohner der Wohneinheit ein, eine Farbe Le Corbusiers aus den Farbklaviaturen zu wählen und ihr während meiner Performance 'Les Couleurs de l'Unité' eine farbenfrohe Erinnerung zu assoziieren, die sie erlebt hatten. Gleich nach dieser Erfahrung entschied ich mich, auch die anderen vier Wohneinheiten Le Corbusiers zu entdecken.

Die Polychromie Architecturale erweist sich als ideal für meine künstlerische Arbeit: zuerst ein Mittel, um Menschen zu treffen, dann ein kreatives Werkzeug. Die Farbsprache ist für alle zugänglich und universell, aber sie ist auch im Wesentlichen kulturell. Jedes Projekt ist spezifisch. Zunächst einmal pflege ich das gleiche künstlerische Protokoll: Ich gehe zur Lokalität, um einen Blick auf die Atmosphäre zu werfen, ich beobachte das Gebäude, ich stelle den Bewohnern einige Fragen. Dann vertiefe ich mich in das Archiv der Fondation Le Corbusier; für jeden einzelnen Ort suche ich nach einer einzigartigen Inspiration. Schliesslich erstelle ich die ephemere Installation vor Ort.»

 

  • ©Florence Cosnefroy
  • ©Florence Cosnefroy Unité de Rezé
  • ©Florence Cosnefroy Marseille
  • BRIEY © Florence Cosnefroy - FLC/ ADAGP

Couleurs radieuses

 

In Marseille war es Florence Cosnefroy wichtig, auf der Dachterrasse zu arbeiten. «Mein erster Besuch auf dem Dach war ein Schock: das Gefühl, ausserhalb der Welt zu sein, in direkter Verbindung mit dem Himmel. Die 'Turnhalle', heute ein 'Gallerie-Museum', hat eine besondere Form, die an einen umgekehrten Bootsrumpf erinnert. Die kleinen Lüftungsöffnungen bilden eine Reihe von 52 Metallquadraten an der Basis dieses Gebäudes. Ich entschied mich, zweiundfünfzig Farben über diesen Öffnungen zu platzieren. Die ephemere Installation 'Couleurs radieuses' war 2016 ein Spaziergang durch die mitreissenden Geschichten der Bewohner, ein Spaziergang am Himmelzelt.

Für das 'Maison Radieuse' von Rezé liess ich mich von der Fassade des Kindergartens inspirieren, der vom Architekten und Musiker Iannis Xenakis entworfen wurde. Seine Zusammenarbeit mit Le Corbusier ist der Beginn einer persönlichen Entwicklung neben Raum und Musik. Xenakis wollte eine 'Music to be seen' kreieren. Die Fenster auf der Dachterrasse dieser kleinen Schule erinnern an eine musikalische Komposition, eine Art Trennung. Im Jahr 2017 konzipierte ich die farbenfrohe Installation Composition 'chro-matique' als Echo auf Xenakis' Werk. Die bunten Muster bildeten eine Komposition unter den Pillars, genau wie eine musikalische Improvisation mit Variationen zu einem Thema.»

Le Corbusier Farben in Berlin

 

«Im Jahr 2018 wurde ich eingeladen, eine Kunstaktion im Corbusierhaus in Berlin zu machen. Die Berliner Wohnanlage ist ein Sonderfall unter den fünf Unités, da die Bauherren bestimmte architektonische Elemente und Abmessungen, die Le Corbusier für seine Schöpfung verwenden wollte, ablehnten, wie z.B. den Hinweis auf den Modulor. Die während der Bauphase vorgenommenen Änderungen hatten Le Corbusier tief getroffen. Ich erwartete ein Gebäude, das - in gewisser Weise - weniger interessant sein würde als die anderen, aber als ich die Berliner Wohnanlage zum ersten Mal sah, war ich von der Schönheit ihrer Fassade beeindruckt. Es war, als würde man sich ein Bild ansehen. Die grafische Arbeit ist aufwendiger als an den Fassaden der anderen französischen Einheiten. Ich verstand, dass Le Corbusier bewusst eine Fassade entwarf, die für das Berliner Projekt viel visueller war, mit einem Ziel: den Blick von Fenstern zu nehmen, die nicht seinen Angaben entsprachen. Die Installation 'Farbdialog' war eine Art Dialog mit dieser Fassade: Die transparenten und bunten Flächen, die auf die grossen Fenster geklebt wurden, passten perfekt zu den Diagonalen auf den Loggien.»

  • ©Les Couleurs Suisse Farbdialog Berlin
  • ©Les Couleurs Suisse Le Corbusier Berlin
  • ©Les Couleurs Suisse Berlin
  • ©Florence Cosnefroy Villa Le Lac
  • ©Florence Cosnefroy

Die Polychromie Architecturale als kreatives Werkzeug

 

Florence Cosnefroys letzte Kunstaktion fand 2019 in der ersten Strasse der Wohnanlage von Briey statt. «Die Ausstellung 'Habiter la couleur' stellte eine Verbindung zwischen den fünf Wohneinheiten durch die Polychromie her. In den Wohneinheiten habe ich die Bewohner eingeladen, einen Ton in den von Le Corbusier Farbklaviaturen zu wählen und ihrer Farbe eine frohe Erinnerung zuzuordnen. In dieser Kombination wurden die Texte der Bewohner und die Farben von Le Corbusier zu einer Farbtafel, die in einer monumentalen Installation präsentiert und für jeden Ort spezifisch war.

Für die Villa Le Lac, die ausser den Eltern und dem Bruder Albert von Le Corbusier nie von jemandem bewohnt wurde, war die Anwendung des Protokolls jedoch nicht möglich. Also stellte ich mir eine Installation vor, die auf Familienkorrespondenz basiert. Die Briefe, die zwischen Le Corbusier und seiner Mutter, seinem Vater und seinem Bruder ausgetauscht wurden, beziehen sich oft auf das kleine Haus. Unter vielen Briefen habe ich nach Bezügen zu Farben gesucht. Auf dieser Grundlage schuf ich 32 mochrome Gemälde, die sich auf genau die gleiche Anzahl von Briefen beziehen, die Le Corbusier an seine Familie verschickte, und stellte die Verbindung zwischen den Texten und den Farben her. In der Kunstausstellung 'Couleurs et correspondances' präsentierte ich eine Reise in 32 Gemälden - 32 Farben und Schnappschüsse - eine Zeitreise, um das Herz der 'Villa Le Lac' kennenzulernen und ein lebendiges Haus zu entdecken.

Die Welt von Le Corbusier inspiriert mich. Die Polychromie Architecturale wirkt für mich als Stimulation und als kreatives Werkzeug, das sich immer wieder erneuert.»

BioBox Florence Cosneyfroy

Fotografie:

©Florence Cosnefroy - FLC/ADAGP
florencecosnefroy[at]orange.fr

©Les Couleurs Suisse AG

 

Mehr Informationen zu den Unités (Besuch nach Vereinbarung):

Unité de Rezé
Rue Théodore Brossaud
44400 Rezé Contact
http://www.maisonradieuse.org/visiter/visiter.html

Unité d'Habitation Berlin
Flatowallee 16
14055 Berlin-Charlottenburg
www.corbusierhaus.org

Unité Briey-en-Forêt
avenue du Dr P. Giry
54150 Briey-en-Forêt
lapremiererue@gmail.com

Unité d'Habitation Firminy
Lieu-dits "Les Bruneaux"
42700 Firminy
http://www.villedefirminy/lecorbusier

Unité d'Habitation Marseille (öffentlich besuchbar)
280, boulevard Michelet
13008 Marseille
http://www.marseille-citeradieuse.org

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